Gegenwärtige Adresse:
ul. Krakowska 7

Alte Hypothek:
- In 1765 keine Angaben zum ausgesonderten Grundstück und zur Bebauung an diesem Ort
- 193 (ab 1800)

Historische Adressen:
- Krakauerstrasse 7(bis 1922; 1939-1945)
- ul. Krakowska 7 (1922-1939und ab 1945)

Baujahr:  1884.

Architekt: Paul Jackisch

Bauherr: Sylwester Jeziołkowski

Eigentümer:
vor 1800: Grabich
1800: Zolondek,Schmied
1811–1837: Georg Klausa, Schmied
1840–1843: Thekla Klausa geb. Langer, Witwe
-1864: Ludwig Klausa
1864–1874: Pauline Klausa geb. Chmielowski (vel. Chmielnik), Witwe
1884: Maria Kapsa geb. Klausa
1884–1900: Sylwester Jeziołkowski
1900–1922: Otto Panofsky
1922–1930: Walenty Sojka
od 1930: Teodor Jojko


     
Polski / Polnisch
Adressen:
ul. Bondkowskiego
ul. Gliwicka
ul. Górnicza
ul. Krakowska
Rynek
ul. Sienkiewicza
ul. Szymały
ul. Tylna
ul. Wajdy
ul. Zamkowa
pl. Żwirki i Wigury
Personen
Literaturverzeichnis
Stadtplan
 


 
 

Zusätzliche Informationen über Bewohner:

Georg Klausa (1764– 1837) [siehe Krakowska 5 ]

Sylwester Jeziołkowski (31.12.1837, Poznań – 15.03.1916, Tarnowitz), Apotheker, katholischer Konfession, Mitglied des Schützenbundes. In 1863 nahm er am Januaraufstand teil. Später wohnte er in Breslau, wo er in 1867 die Staatsprüfung für Apotheker in Preußen abgelegt hat. Dort heiratete er die aus Breslau stammende Alwina geb. Zedler (1832–1904), mit der er drei Kinder zeugte: Zdzisława (1869–1945), Elżbieta (1873–1918) und Bolesława (1875–1882). In 1879 siedelte die Familie nach Tarnowitz, wo Jeziołkowski die zweite Apotheke in der Stadt – Äskulap-Apotheke – eröffnete. Sie befand sich zuerst in den gemieteten Räumen bei ul. Krakowska 4 und ab 1884 in seinem eigenen Haus bei ul. Krakowska 7. In 1900 zog er in den Redensberg bei Tarnowitz um, wo er den Rest seines Lebens verbrachte.

Otto Panofsky [siehe Zamkowa 6]

Erich Scholz (18.05.1911, Tarnowitz – 2 X 2000, Rimbach), Architekt und Schriftsteller, Sohn des Knappschaftsarztes Paul Scholz. Studierte in der Technischen Hochschule Berlin, wo er in 1938 den Abschluss als Ingenieur schaffte. Während des Krieges diente im Reichsministerium für Bewaffnung und Munition und vor dem Kriegsende als Kommandant der SS-Brigade im KZ-Lager Sachsenhausen. In 1945 verhaftet, in 1948 entlassen. In 1993 nominiert zum Eichendorff-Literaturpreis, der ihm wegen der beschuldigten Kriegsverbrechen verwehrt wurde. Die bekanntesten und gleichzeitig an Tarnowitz angelehnten Werke von ihm sind die Romanen: Aus einem nahen fernen Land. Oberschlesische Narben (1990) und Synek, das Söhnchen (1991).

Walenty Sojka (12.02.1887, Mistitz – 11.09.1939 Krakau), Apotheker, Sohn des Bahnbeamten Valentyn Soiki und Franciszka geb. Haronska. In 1916 folgte der Abschluss des Pharmastudiums an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin und in 1930 die Dissertation an der Universität Brüssel. In den Jahren 1919–1922 leitete er die Marien-Apotheke in Ratiborhammer. In 1922 war er Leiter des Volksabstimmungskomitee in dieser Ortschaft. In den Jahren 1922–1930 verwaltete er die Äskulap-Apotheke in Tarnowitz, war zum Stadtrat von Tarnowitz aus der Vereinten Polenliste gewählt. In Jahren 1930–1939 leitet er die Städtische Apotheke in Kattowitz. Mitbegründer und Schatzmeister der Gesellschaft Polnischer Apotheker in Schlesien.

Alfred Adolph (geb. 1883), Verleger von Büchern und Postkarten mit Ansichten von Tarnowitz, in Jahren 1906–1936 Inhaber des Geschäftes im Erdgeschoss des Hauses bei ul. Krakowska 7. In der Zwischenkriegszeit engagierte sich in pro-deutsche Aktionen, worauf seine Buchhandlung von den Polen boykottiert wurde. Aufgrund der wachsenden nationalen Konflikten verließ er die Stadtin 1936. Mitglied des Schützenbunden und der Freimaurerlogge „Silberfels“.

Regina i Tadeusz Kosmalscy – Leiter der Äskulap-Apotheke in Tarnowitz in Jahren 1936–1939. Regina geb. Prus (geb. 1910) war die erste weibliche Apothekerin in Tarnowitz, sie erlangte ihr Diplom in Pharmazie in 1935. Tadeusz (1905-1940) stammte aus Kolo in Großpolen, in den Jugendjahren war aktiver Pfadfinder, u.a. als stellvertretender Leiter des Pfadfinderstammes in seinem Heimatort. Absolvierte die Unteroffizierschule und in 1933 das Pharmastudium. Im August 1939 diente in polnischer Armee als Unterleutnant. Verhaftet von sowjetischen Truppen, landete er im Lager in Koselsk. Ermordet in 1940 w Charkiw.


     

Sylwester Jeziołkowski

Otto Panofsky und Erich Scholz
- im Alter von 7 Jahren.

Walenty Sojka

 

 
 


Beschreibung:

Viergeschossiges gemauertes Haus auf dem rechteckähnlichen Grundriss mit zweit Seitenflügeln. Fassade mit eklektischen Formen, ursprünglich im Erdgeschoss mit Pilastern (nicht erhalten) umrahmt. Eingangstür aus Holz mit Metallgitter in eklektischen Formen. Fenster- und Türöffnungen – rechteckig; auf dem ersten Stockwerk Ädikulä, gekrönt mit dreieckiger Verdachung (ursprünglich alterniert – dreieckig und gerundet), im zweiten Stockwerk ein Gebälkabschnitt (ursprünglich mit Akroteren).

Haus bei ul. Krakowska 7, 2018

Zusätzliche Informationen, Umbauten:
In 1765 war diese Fläche wahrscheinlich unbebaut. Die ersten Informationen zu einem Haus an dieser Stelle stammen aus dem Jahr 1800, das damals 220 Thaler wert war. Dieser Wert stieg in 1811 bis auf 270 Thaler und einer Beschreibung von 1842 kann entnommen werden, dass das Haus erdgeschossig, gemauert und 54 x 34 Ruten (17 x 10,7m) groß war. Über das weitere Schicksal der Parzelle erfahren wir aus zwei Dokumenten, die in eine Flasche eingelegt und beim Aufbau des Hauses in 1884 eingemauert waren:

Dieses Haus erbaute der Apotheker Jeziołkowski, ein Pole aus Posen, im Jahre 1884. Den Bauplatz kaufte er von der Frau Kauffmann Kapsa an der Krakowska-Straße. Jeziołkowski erwarb die Konzession in 1879 und eröffnete die Apotheke am 29. Januar 1880 im ehemaligen Hause des Kaufmanns Böhm auch an der Krakowska-Straße unter der Nummer 189. In diesem Hause ist ihm der einzige Sohn, Trost und Stütze für den Alter, Bolesław Jeziółkowski, im 6 1/2 Jahr seines Lebens gestorben. Der Aufbau dieses Hauses begann am 3. April 1884. Die Zeichnung machte der Baumeister Jakisch aus Beuthen – Mauerarbeiten Maurer Görke aus Tarnowitz – die Zimmererarbeiten Schulz. Das Grundstück für das Haus kostete 24000 Mark und der Hausaufbau 60000 Mark. Der Bürgermeister hieß Henke. Der Pfarrer war damals X. Czichon. Der Pastor - Bojanowski. Im Jahr 1884 starb die Gräfin von Neudeck, eine sehr vermögende Dame. Mit Betten und Tugend erreichts Du das Ziel. Frieden den Menschen, die dieses Haus beziehen werden. Ich erlaube mir noch aufzuschreiben, dass mir der Allmächtige nach dem Tod des einzigen Sohne zwei Töchter - Zdzisława und Elżbieta - hinterlassen. Diese kurze Erinnerungsstück wurde am 13. Juni 84 eingemauert. Jeziołkowski

Paul Jackisch, Fassadenzeichnung des Hauses bei ul. Krakowska 7, 1883

Zwischen 1907 und 1909 wurden die bogenartigen Fensterfrontons im ersten Stockwerk gegen dreieckige getauscht und die dekorativen Frontons der Fenster im zweiten Stockwerk abgeschafft. Die weiteren Umbauten haben Carl Korbsch (1907, 1909 und 1915) und Konrad Güntzel (1913) beantwortet. Den Plan des Kanalisationsanschlusses hat Hermann Schalscha in November 1928 angefertigt.


     

 

Flaschen aus der Jeziołkowski-Apotheke

Eingangstür, Fot. 2011

Karl Korbsch, Skizze zur Umgestaltung der Ladenvitrine, 1907

Karl Korbsch, Skizze zur Umgestaltung der Ladenvitrine, 1909

Hausansicht mit dem Geschäftsladen von Alfred Adolf, Postkarte, nach 1909

 
 

Archivalien, Literaturnachweise, Verweise:

Archiwum Państwowe w Katowicach (Staatsarchiv Katowice),,
• Bestand Nr. 1441, Akta miasta Tarnowskich Gór, Az.: 231 – 232 (Bürger Rolle der Stadt Tarnowitz); 2216 – 2230 (Feuer Societaets-Catastrumder Stadt Tarnowitz etc.)

Archiwum Państwowe we Wrocławiu (Staatsarchiv Breslau),
• Rep. 135, nr 700, Chronik der Stadt Tarnowitz erfasst von Lehrer C. Winkler in Tarnowitz.

Joods Historisch Museum, Amsterdam

Urząd Miejski w Tarnowskich Górach, Archiwum Zakładowe (archiwum budowlane) [Stadtamt Tarnowskie Góry, Betriebsarchiv (Bauarchiv)],
• Az.: A 677, A 679

Ryszard Bednarczyk, Ericha Scholza kręte drogi do pojednania, „Montes Tarnovisensis”, 2017, Nr. 85

Krzysztof Gwóźdź, Bractwo Strzeleckie w Tarnowskich Górach historia i współczesność, Tarnowskie Góry 2008

Bronisław Hager, Obrazki tarnogórskie, Tarnowskie Góry 1992

Maria Marciniak, Marek Wojcik, Śląska historia w aptekarskiej pigułce. Dzieje mieszkańców kamienicy przy ulicy Krakowskiej 7 , „Montes Tarnowicensis”, 2011, Nr. 53

Dionizy Moska, Walenty Sojka 1887 – 1939, „Apothecarius” 2005, Nr 6, S. 6–8

Marek Wojcik, Kamienice przy ulicy Krakowskiej w Tarnowskich Górach (1866–1910), „Rocznik Muzeum w Tarnowskich Górach” 2011, Band 3, S. 14–16.

Marek Wojcik, Od arendy po ikonologię. Rzecz o rodzinie Panofsky i jej górnośląskich korzeniach, [w:] Żydzi na Górnym Śląsku w XIX i XX wieku, red. B. Kalinowska-Wójcik, D. Keller, Rybnik–Katowice 2012, S. 581-597.


         

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