Gegenwärtige Adresse:
Rynek 4

Alte Hypothek:
- 4 (ab 1746 r.)

Historische Adressen:
- Ring 4 (bis 1914)
- Rynek 4 (1924–1939)
- Ring 4 (1939–1944)
- Rynek 4 (1945–1950)
- Plac Stalina 4 (1950–1956)
- Rynek 4 (ab 1956)

Baujahr: 1896-1898

Architekt: Hermann Guth

Bauherr: Stadtgemeinde

Eigentümer:
1673–1674: Margareta Malcherowicowa
1675–1703: Adam Dzielawski
1746: Johann Schindler
1765: Johann Fesser
1797–1861: Königliches Oberschlesisches Bergamt zu Tarnowitz
1861–1895: Gerichtsfiskus
ab 1895: Stadtgemeinde


     
Polski / Polnisch
Adressen:
ul. Bondkowskiego
ul. Gliwicka
ul. Górnicza
ul. Krakowska
Rynek
ul. Sienkiewicza
ul. Szymały
ul. Tylna
ul. Wajdy
ul. Zamkowa
pl. Żwirki i Wigury
Personen
Literaturverzeichnis
Stadtplan
 
 
 


     

 

 
 

 

Beschreibung:
Eckgebäude auf dem Grundriss eines Vielecks mit Innenhof. Dreigeschossig mit hohem Dachgeschoss, gemauert aus Granit, Sandstein und Backstein. Ziegelfassaden mit eklektischen Formen, die an das späte Renaissance angelehnt sind, im Erdgeschoss aus Sandstein.



Ansicht von der Marktseite, Fot. 2011.

Die Fassade von der Marktseite mit kleinem Risalit im westlichen Teil, in dem auf der Höhe der ersten Geschossfenster eine Nische mit Skulptur vom sog. Gewerken (ursprünglich befand sich hier die Statue von Georg Hohenzollern), darunter eine Kartusche mit dem Wappen von Hohenzollern, darüber – ein kleiner Balkon. Im abgestuften Risalitgiebel – ein Uhrwerk. Im zentralen Teil dieser Fassade, im Erdgeschoss ein 3-Arkaden-Bogengang, gestützt auf Säulen. Uber die mittige Arkade, im deren Scheitelstein ein Kopf mit corona muralis angeordnet ist, ein kleiner Balkon. An der Fassadenecke ein zusätzlicher Eingang, darüber ein spitziger Erker, gekrönt mit helmartiger Verdachung. Zwischen dem ersten und dem zweiten Stockwerk der Ecke folgende Wappenkartuschen: (von links) von Donnersmarck, Preußen, Tarnowitz, Deutschem Kaiserreich und Schlesien; ein Stockwerk höher die Baujahre: 1896-1898. An der Fassade von der ul. Górnicza ebenfalls ein Kleiner Risalit im südlichen Teil, darin eine Kleiner spitziger Erker und darüber ein abgestufter Giebel. Fenster und Eingangsöffnungen im Erdgeschoss – rechteckig und mit Halbbogen abgeschlossen, in ersten Stockwerk Zwillingsfenster, mit Vorhangbogen abgeschlossen. Sonstige Fenster rechteckig, mit dem hervorstechenden mehrteiligen Fenster des Ratssaals (das gesamte Fenster- und Türgerähme neu aus der Zeit um die Wende des 20. und 21. Jhdt.). Mehrflächige Dächer mit Gauben und Fialen, von der Marktseite ist das Dach mit einem kleinen Turm mit Uhrglocke gekrönt (ursprünglich gab es über dem Turm eine Nadel mit Windfahne — entfernt in den letzten Jahren).



Fassade von der Marktseite, 2018

Im Haupttreppenhaus bemerkenswerte geschmiedete Geländer und im Ratssaal Holzpilaster mit Kartuschen, in denen städtische Gilden abgebildet sind. Dieser Raum ist mit hölzernen Pseudo-Gewölbe mit dreiblättrigem Querschnitt. Ein Teil des Stuckdekors ist in der alten Wohnung des Bürgermeisters im zweiten Stockwerk und die Teile der früheren Einrichtung, u.a. Stühle (des Ratssaals) oder Wappen (identisch wie an der Fassade) an einem Schrank im Sekretariat erhalten geblieben.

Głowna klatka schodowaj, fot. 2005 r.

Saal des Stadtrats, Fot. 2009

 

     

 

 


Statue des Bergmannes
und der Wappen von Hohenzollern



Architektonische Detail – Kapitel der Arkadensäule beim Haupteingang



Architektonische Detail -Arkadenscheitelstein



Wappen von Tarnowitz



Wappen des Deutschen Kaiserreichs



Wappen der Provinz Schlesien



Architektonische Detail: Baujahre

 



Pilasterkapitel im Ratssaal
mit Gemerk der Malergilde



Stuckdekor auf der Decke der ehemaligen Bürgermeisterwohnung, Fot. 2005

 
 

Zusätzliche Informationen, Umbauten:

Das an dieser Stelle befindliche Haus verbrannte im 1746 und sein Wert belief sich damals auf 310 Thaler. Es wurde jedoch wiederaufgebaut und wahrscheinlich erweitert, weil es in 1765 bereits 710 Thaler wert war. Vermutlich in 1795 wurde das Haus durch das Königliche Oberschlesische Bergamt zu Tarnowitz erworben. Um 1811 erfolgte eine erhebliche Erweiterung des Hauses und es wurden zwei Flügel von der jetzigen ul. Górnicza (Pferdeställe) angebaut. Danach betrug der Katasterwert 1430 Thaler (darunter 475 Thaler die erwähnten Ställe). Aus den erhaltenen Plänen aus dieser Zeit geht es hervor, dass einen beträchtlichen Teil des Gebäudes die Wohnung des damaligen Leiters August Boscamp-Lasopolski, eingenommen hat. In 1840 wurde das Gebäude erneut erweitert. Die Wohnung des Amtsvorstehers wurde aufgehoben und einen der Räume hat das Berggericht bezogen. Nach der Justizreform 1849 wurde hier ein Gerichtsausschuss eingerichtet. Im 1861 wurde das Bergamt aufgelöst und das Gebäude von der Justizverwaltung übernommen. Für ihre Zwecke wurde um 1866 das bis heute bestehende Gefängnisgebäude von hinten von der ul. Górnicza angebaut. In den Jahren 1879-1895 war hier das Landgericht tätig. Nach dem Aufbau vom neuen Gerichtsgebäude bei ul. Opolska in 1894 wurde das alte Gebäude abgerissen.



Das alte Bergbauamt, später Amtsgericht, Fot. ca. 1894

Jetziges Rathaus. In 1894 hat der Kreisbauinspekteur Fritz Schulz den Entwurf des neunen Rathauses vorgelegt, der jedoch nicht zur Ausführung gelangte. Daher wurde der Berliner Architektenbund um die Ausschreibung des Wettbewerbs auf den Entwurf des neuen Rathauses gebeten. Die Ausschreibung wurde in der „Deutschen Bauzeitung” und im „Zentralblatt der Bauverwaltung” bekanntgemacht. Nach dieser Bekanntmachung sollte das neue Rathaus zwei Geschäftsläden im Erdgeschoss, eine Wohnung für den Bürgermeister im ersten Stockwerk und einen Ratssaal mit der Fläche von 120 m2 im zweiten Stockwerk aufweisen. Die Baukosten von 130 000 Mark sollten nicht überschritten werden. Vorgelegt werden sollten eine
Ansichtszeichnung des geplanten Rathauses von der Marktseite, Grundrisse im Maßstab 1:150 und Fassadenzeichnungen im Maßstab 1:100. Die Preise für die ersten drei Auszeichnungen sollten entsprechend 1000, 600 und 400 Mark betragen. Die Einreichungsfrist war für den 7. Oktober 1895 angesetzt.
Am 21. Oktober wurden die Ergebnisse mitgeteilt: den ersten Preis und den Betrag von 800 Mark hat Karl Wilde, Regierungsbaumeister aus Berlin für den Entwurf mit dem Motto „sketch only”; der 2. Preis und 600 Mark gingen an Hermann Guth, Architekt aus Berlin-Charlottenburg, für den Entwurf unter dem Schlagwort „Vielleicht?”; zwei 3. Preise und jeweils 300 Mark haben Hans Rösener, Landesbauinspektor aus Berlin für den Entwurf mit Hufenzeichnung und Ismar Herrmann, Regierungsbaumeister aus Berlin für den Entwurf mit dem Motto „Noch einer”. Eine Auszeichnung ging auch an den Georg Zeidler, Regierungsbauleiter aus Glatz, für den Entwurf genannt „Eile”.
Die Stadtbehörden haben sich jedoch für die Ausführung nicht nach dem Sieger-, sondern nach dem Guth‘schen Entwurf entschieden. Im Januar 1896 legte Hermann Guth den endgültigen Ausführungsplan mit geringen, vermutlich nach den vom Auftraggeber verlangten Veränderungen vor. Die Kubatur des Gebäudes betrug 10 880 m3. Die Bauleitung hat in 1896 Carl Benjamin Szameitke übernommen. Die meisten Arbeiten hat die Firma von Emanuel Dziuba aus Tarnowitz ausgeführt. In den unteren Abschnitten des Gebäudes wurden schlesischer Granit und Sandstein eingesetzt und die Backsteine wurden aus der Gegend um Bunzlau geliefert. Die Schmiedearbeiten, darunter Geländer, hat die Fa. Gustav Trelenberg aus Breslau, die Steinarbeiten die Fa. Schilling aus Berlin und die Zentralheizung die Fa. Minsapost & Prauser aus Breslau ausgeführt. Das hölzerne Pseudo-Gewölbe des Ratssaals geht auf die Firma des Tarnowitzer Zimmermeisters Otto Kotzulla zurück. Das neue Rathaus wurde feierlich am 11. August 1898 in der Anwesenheit des Regierungspräsidenten Friedrich von Moltke (1852–1927) und des Grafen Guido Henckel von Donnersmarck (1830–1916) eröffnet.



Gustav Trelenberg, Skizze des Geländers

Am 15. November 1899 erfolgte die feierliche Enthüllung der Skulptur in der Nische an der Fassade des Rathauses mit der Figur des Markgrafen Georg von Hohenzollern. Nach der damaligen Berichtserstattung war es das Werk von Kiesewetter aus Breslau. Er war nur für den Entwurf verantwortlich, denn die Statue hat der hiesige Bildhauer und Steinsetzer Gustav Erdelt gemeißelt. In 1934 wurde die Skulptur beseitigt und zerstört. Während der deutschen Besatzung wurde in 1941 eine Kopie hergestellt, die aber in 1954 zertrümmert wurde. Vier Jahre später in 1958 wurde in der Nische die Figur eines Bergmanns von wahrscheinlich Edmund Halke aufgestellt. In 1946 erfolgte der Umbau des Treppenhauses im südwestlichen Eckteil für Büros (gegenwärtig sind noch zwei Treppenhäuser im Betrieb). In 1994 erfolgte die Dachsanierung und ein neuer Turm (nach dem Muster des alten Turmes) aufgebaut und am Anfang des 21. Jhdt. wurde der systematische Austausch vom originellen Fenster- und Tuergerähme abgeschlossen.



SMZT-Vertreter (im Bild Jerzy Spałek) in der Werkstatt des Bildhauers Edmund Halke

 

     

 


Königliches Oberschlesisches Bergamt
zu Tarnowitz, ca. 1811


Umbauskizze Dach des Bergamts, 1840

 

 

 

 

 

 

 

 

 


I. Preis - Karl Wilde


2. Preis - Hermann Guth


3. Preis - Hans Rösener


3. Preis - Ismar Herrmann


Auszeichnung - Georg Zeidler


Gustav Erdelt, Statue von Georg Hohenzollern vom 1899


Willi Labisch bei der Replik der Statue von Georg Hohenzollern, 1940-1941

 

 
 

Archivalien, Literaturnachweise, Verweise:

Archiwum Państwowe w Katowicach (Staatsarchiv Katowice),
• Bestand Nr. Akta miasta Tarnowskich Gór, Az.: 231 – 232 (Bürger Rolle der Stadt Tarnowitz); 2216 – 2230 (Feuer Societaets-Catastrumder Stadt Tarnowitz etc.); Az.: 455-467 ((Dokumentation zur Planung und Errichtung des Rathauses)

Archiwum Państwowe we Wrocławiu (Staatsarchiv Breslau),
• Rep. 135, nr 700, Chronik der Stadt Tarnowitz erfasst von Lehrer C. Winkler in Tarnowitz.

Archiwum Stowarzyszenia Miłośników Ziemi Tarnogórskiej (Archiv des Freundeskreises des Tarnowitzer Landes),
• Fotografische und ikonografische Dokumentation

Muzeum Górnictwa Węglowego w Zabrzu (Museum für Kohlenbergbau Zabrze),,
• Sammlung OBB I, Az.: 819, 820, 821, 822 und 823

Technische Universität Berlin, Architekturmuseum

Urząd Miejski w Tarnowskich Górach, Archiwum Zakładowe (archiwum budowlane) [Stadtamt Tarnowskie Góry, Betriebsarchiv (Bauarchiv)],,
• Az.: A 205; A 206; A 208; A 209; A 210; A 329; A 519; A 521; A 941

Historia Tarnowskich Gór, Hrsg. J. Drabina, Tarnowskie Góry 2000.

Robert Kurpiun, Die Oberschleschische Bergschule zu Tarnowitz [in:] „Der Landbote. Tarnowitzer Kreis-Kalender - 1918”, Kattowitz OS, 1917.

Das neue Rathaus in Tarnowitz, „Zeitschrift für Bauwesen”, R. 51, 1901, S. 562-567, Bilder. 55-57. (polskie tłumaczenie: zobacz aneks poniżej)

Rainer Slotta, Das Carnall-Service als Dokument des Oberschlesischen Metallerzbergbaus, Bochum 1986.

 


     

 


Entwurf des Fensters im Ratssaal, Archiv des Stadtamts

 

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